Falkenkopf

Willkommen bei der Stiftung Kulturlandpflege

Gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen.

 

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  Veranstaltungsbericht

Dialogforum "Biodiversität in der Agrarlandschaft"

am 05./06. September 2018

 

 

 

 

 

 

„F.R.A.N.Z“ und „PIK“ im Fokus

 

Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen lud anlässlich ihres 20jährigen Bestehens zum Dialog „Biodiversität in der Agrarlandschaft“ ein

 

Vorgestellt wurde das Projekt „FRANZ“, anschließend wurde in drei Referaten und einer Podiumsdiskussion das Thema „Produktionsintegrierte Kompensation“ in den Fokus genommen

 

 

Die “weiße Halle“ der Naturschutzakademie in Camp Reinsehlen war mit 100 Gästen bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft und die Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen hatten zu einem Dialogforum geladen, auf dem Vertreter der Landwirtschaft und des Naturschutzes darüber diskutierten, wie sich mehr Biodiversität in die landwirtschaftliche Nutzung integrieren lässt.  Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast und Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke unterstrichen die Bedeutung  des Themas mit ihrer Anwesenheit.

 

In ihrem Grußwort  beglückwünschte Ministerin Otte-Kinast die Initiative der Veranstalter, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Sie hob hervor, dass es Landwirte waren, die durch ihr Wirken unsere artenreiche Kulturlandschaft geschaffen haben. Dr. Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut in Bergenhusen verwies im Anfangsvortrag darauf, dass veränderte Nutzungsmethoden heute auch als mitverantwortliche Faktoren beim Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft gesehen werden.

 

Das Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) hat sich zur Aufgabe gesetzt, effiziente Biodiversitätsmaßnahmen zu entwickeln und zu erproben. Unter dem Motto „Gemeinsam für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft“ zeigt F.R.A.N.Z, dass eine moderne, leistungsfähige Landwirtschaft mit biologischer Vielfalt vereinbar ist. Das Projekt ist im Januar 2017 offiziell gestartet und gilt als Projekt mit Vorbildfunktion.

Gemeinsam setzen Landwirte und Naturschützer auf zehn bundesweit verteilten Demonstrationsbetrieben praktikable und wirtschaftlich tragfähige Biodiversitätsmaßnahmen um, die sich positiv auf die Artenvielfalt auswirken. Im Fokus steht eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Dies zeigt sich auch in der gemeinsamen Übernahme der Schirmherrschaft durch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Eine grundlegende Rolle im Projekt spielt die Wissenschaft. Sowohl die ökologischen als auch die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Biodiversitätsmaßnahmen werden umfassend vom Thünen-Institut für Biodiversität, von der Universität Göttingen und dem Michael-Otto-Institut im NABU untersucht. 

 

Demonstrationsbetrieb in Niedersachsen

Der Hof Hartmann in Lüneburg-Rettmer ist einer von zehn Betrieben, die sich an dem Projekt beteiligen. Der über 200 Hektar (ha) große Ackerbaubetrieb von Jochen Hartmann baut auf überwiegend sandigen Böden vor allem Kartoffeln und Zuckerrüben an. Im Rahmen des F.R.A.N.Z Projektes konnten in den Jahren 2017 und 2018 bereits mehrere Maßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Betriebsflächen umgesetzt werden. Alle Maßnahmen, z.B. die Anlage von Blühstreifen, Feldvogelinseln oder blühendem Vorgewende, verfolgen drei Ziele: Sie müssen naturschutzfachlich sinnvoll, praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig für den Betrieb sein.

 

Ökologische und ökonomische Begleitforschung

Bei der ökologischen Begleitforschung wird untersucht, wie sich die Maßnahmen auf Amphibien, Feldhasen, Schmetterlinge, Vögel, Wildbienen und Pflanzen auswirken.

Dr. Laura Sutcliffe von der Universität Göttingen und Dr. Philip Hunke vom NABU-Institut in Bergenhusen konnten von ersten Erfolgen im Projekt berichten. Das Monitoring der Flora und Fauna zeigt bereits nach kurzer Zeit, dass Extensivgetreideflächen und Feldlerchenfenster in großen Wintergetreideschlägen zu höheren Feldvogeldichten geführt haben. Positive Entwicklungen gibt es auch bei den Pflanzen zu verzeichnen: Der Anteil von Wildpflanzen im Extensivgetreide ist deutlich höher als auf Vergleichsackerrändern oder im normalen Getreidebestand. Auch der  Artenreichtum und die Anzahl an Schmetterlingen sind auf den untersuchten Blühstreifen höher als auf den Vergleichsflächen.

Für jeden teilnehmenden Betrieb erfolgt eine genaue Ermittlung der Maßnahmen-kosten sowie eine Untersuchung der förder- und ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen.

Diese dient dazu, die Übertragbarkeit der Maßnahmen auf andere landwirtschaftliche Betriebe bundesweit zu gewährleisten. Auch sollen Hemmnisse im bestehenden Förder- und Ordnungsrecht identifiziert und Vorschläge für Optimierungen gegeben werden, damit mehr Landwirte zukünftig Biodiversitätsmaßnahmen umsetzen können. Ziel ist es, die Ergebnisse aus der Maßnahmen-Umsetzung in die Weiterentwicklung der Agrar- und Umweltpolitik einfließen zu lassen.

 

Um dies zu gewährleisten wird jeder Demonstrationsbetrieb bei der Umsetzung der Maßnahmen, aber auch bei Fragen zur Finanzierung, Rentabilität und zu ordnungsrechtlichen Vorgaben betreut und naturschutzfachlich beraten. Diese Aufgabe wird auf dem Hof Hartmann in Lüneburg durch die Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen wahrgenommen.

 

Produktionsintegrierte Kompensation (PIK)

Um dem Artenrückgang in der Agrarlandschaft zu begegnen, ist es angezeigt, auch nach neuen Wegen der Finanzierung dieser biodiversitätssteigernden Maßnahmen zu suchen. Statt bei der Kompensation von größeren Eingriffen - wie z.B. der A 39 - nur auf Flächenkauf zu setzten, geraten auch produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen (PIK) in den Fokus. Sie haben den Vorteil, dass die Maßnahmen dort ansetzen, wo der Biodiversität unter die Arme gegriffen werden muss, zugleich Landwirte im Wege des Vertragsnaturschutzes  solche Maßnahmen umsetzen können. Peter Zanini und Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege stellten Beispiele aus Niedersachsen vor, betonten jedoch zugleich, dass die staatliche Verwaltung noch mehr zur Flankierung und weiteren Verbreitung dieser Variante der Kompensation unternehmen könne.

Dominik Himmler von der Bayrischen Kulturlandstiftung berichtete von der bayrischen Kompensationsverordnung. Sein Fazit: Mit einer  Kompensationsverordnung wird es zwar nicht unkomplizierter, aber PIK-Maßnahmen erhalten einen Gestaltungsrahmen, der von den Behörden genutzt wird.

Wolfgang Ganser von der Westfälischen Stiftung Kulturlandschaft wurde noch deutlicher: „Wenn man Biodiversität in die Normallandschaft bringen will, braucht es auch in Niedersachsen einen Punktekatalog für PIK-Maßnahmen. Nur so haben wir es in NRW geschafft.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion verteidigte Ingelore Hering vom Niedersächsischen Umweltministerium das in Niedersachsen bestehende Punktesystem. „Ein neues System macht es nicht besser.“ Deutlich widersprach Dr. Holger Hennies vom Landvolk Niedersachsen, der eine stärkere Berücksichtigung von PIK-Maßnahmen in den Punktwertkatalogen einforderte. Dr. Lutz Mehlhorn vom Niedersächsischen Landkreistag hob hervor, dass in Niedersachsen die Landkreise beim Thema PIK durchaus handlungsfähig sind und dass vielleicht noch mehr best-practice-Beispiele kommuniziert werden sollten. Landvolk-Präsident Albert-Schulte to Brinke betonte die Bedeutung produktionsintegrierter Maßnahmen im Hinblick auf den ständig wachsenden Flächenverbrauch: „PIK-Maßnahmen sind besser als Flächenkauf.“

 

Jubiläum zum Abschluss

Im Anschluss an das Dialogforum feierte die Stiftung Kulturlandpflege im Beisein der Ministerin, die zugleich Vorsitzende des Stiftungsrates ist, ihr 20-jähriges Bestehen. Der Vorsitzende der Stiftung Kulturlandpflege Hans-Heinrich Ehlen würdigte bei dieser Gelegenheit insbesondere die Verdienste des Stiftungsgründers Bernhard Haase und der beiden langjährigen Stiftungsratsvorsitzenden und ehemaligen Landwirtschaftsminister Uwe Bartels und Gert Lindemann.

 

 

Stiftung Kulturlandpflege Niedersachsen

 

Weitere Informationen:

https://www.franz-projekt.de/

www.stiftungkulturlandpflege.de

www.hof-hartmann-rettmer.de/unser-weg/projekt-f-r-a-n-z/